28 März, 2011

Emotion und Verifikation

Nach den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz begiebt man sich in den Lagern der Unterlegenen Kräfte auf Ursachenforschung und meint, die Ereignisse in Fukujima für die Niederlage verantwortlich machen zu können. Von einer Emotionalisierung der Wahl durch das Thema Atomenergie ist die Rede. Schuldig sei die Angst der Menschen vor dem GAU. Doch ist das nur ein Teil der Wahrheit. Seit Jahren treten die Grünen mit dem Ziel an, die AKWs abzuschalten. Dabei haben sich die Argumente nicht grundsätzlich verändert. Die Prämissen dieser Argumente standen bisher jedoch auf schwachen, nahezu prophetischen Beinen, was die Bewertung des sog. Restrisikos anging. Die tragischen Ereignisse in Fukujima haben allerdings die schlimmsten Befürchtungen verifiziert. Atomenergie kann nun, rational betrachtet, nicht mehr als sichere Technologie gelten. Dass das Angst macht, ist selbstverständlich. Wenn es Angst war, die die Wahl entschied, dann war es eine Angst auf einer rationalen Grundlage.

Für die unterlegenen Ursachenforscher birgt das Argument der Angst aber eine andere Qualität. Angst wird zunächst als irrational verstanden und so kann man die Ursache in die dunklen Abgründe der menschlichen Seele verschieben, weit weg von der Verantwortung politischer Akteure. Man versteckt sich letztlich hinter dem Argument, dass der Wähler ein unerklärliches Wesen sei. Erkennt man aber die verifizierende Wirkung der japanischen Katastrophe für die Argumente contra Atomenergie, ist es verfehlt auf einen panischen Wähler zu verweisen und sich selbst aus der Affäre zu ziehen. Sobald Schwarz-Gelb diesen Zusammenhang erkannt hat, werden auch sie gute Gründe für den Atom-Ausstieg finden. Selbst, wenn dies nur geschehen sollte, um an der (bundespolitischen) Macht zu bleiben.

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